Auf dieser Seite möchte ich Dir in groben Zügen aufzeigen, wie ich meine Didgeridoos anfertige. Auf YouToube finden sich zahlreiche, ausführliche Anleitungen. Auch ich habe mich von YouTube-Videos inspirieren lassen und mir mit der Zeit mein eigenes "Know-How" angeeignet.
Da ich gerne auch natürliche, krumme Formen mag, baue ich meine Instrumente nach der "Sanwich-Methode". Das heisst, die Rohlinge werden mittig aufgetrennt, ausgehölt und wieder zusammen geleimt. Vorteile: Das Aushöhlen ist einfacher, es können auch krumme Formen hergestellt werden und dem Holz wird die Spannung genommen, was das Risiko von Rissen reduziert. Nachteile: Eine mehr oder weniger gut sichtbare Leimfuge, der Rohling wird "zersägt".
Das Beschaffen der Rohlinge ist immer mit einem schönen Waldspaziergang verbunden. In der Hosentasche eine scharfe Klappsäge. Als ich noch im Wald arbeitete und wir Dickungspflege im Laubholz durchführten, hatte ich genug Gelegenheit, meine Rohlinge auszusuchen. Jetzt suche ich hauptsächlich dürre oder umgeworfene Stämmchen. Diese müssen auch nicht mehr so lange getrocknet werden. Um Markrisse während dem Trocknen der Rohlinge zu minimieren, streiche ich beide Schnittstellen mit Holzleim ein.
Bevor der Rohling aufgetrennt wird, gebe ich ihm die grobe Aussenform. Das dickere Ende (Bell End) belasse ich in der Regel so gross wie möglich. Gegen das Mundstück hin trage ich so viel Holz ab wie nötig, um eine konische Form zu erhalten, womit das Didgeridoo angenehm zu spielen ist. Ich habe auch einige Rohlinge mit Käfer-Frassspuren. Da ich diese auf der ganzen Länge haben möchte und am Mundstück kein Holz abtragen kann, drechsle ich ein neues Mundstück und leime es am fertigen Didgeridoo auf.
Das Auftrennen der Rohlinge mit der Bandsäge ist immer eine kleine Herausforderung, vor allem bei krummen Formen. Vorgängig zeichne ich mir eine Linie auf das Holz, die ziemlich genau durch die Mitte verläuft. Sich nur am Mark des Holzes zu orientieren, ist heikel, weil dieses nicht immer in der Mitte ist (bei exzentrischem Wuchs) . Weil das Mark beim Aushöhlen sowieso entfernt wird, ist eine kleine Abweichung der Mitte nicht weiter schlimm. Stark buchsiges Holz (sog. Druckholz) sollte nicht verwendet werden, weil es sich wegen der Quellung oder Schwindung verziehen kann.
Ist der Rohling aufgetrennt, lege ich eine Hälfte auf ein dickes Papier, welches mir später als Schablone dient. Dann übertrage ich die Aussenform auf das Papier und anschliessend wird die gewünschte Innenform des Didgeridoos auf die Schablone gezeichnet. Die Innenform bestimmt massgeblich das Klang-Spektrum und die Spielbarkeit des Instruments. Hier habe ich schon vieles ausprobiert. Inzwischen habe ich die besten Ergebnisse erzielt, wenn ich 1/3 der Didgeridoo-Länge im gleichen Durchmesser aushöhle, den das Mundstück hat ( 2.8 - 3.2 cm). Gegen das Bell End wird die Form konisch gehalten (hier sind viele Formen möglich). Ist die Innenform aufgezeichnet, wird diese ausgeschnitten und auf beide Trennhälften übertragen.
Jetzt fliegen die Spähne! Entweder wird ein Stechbeitel oder eine Maschine verwendet. Ich habe mich bald für "maschinell" entschieden, meinen Handgelenken zu liebe. Das Resultat ist eine schön gekerbte Innenfläche, was ich besser finde als eine glatte Innenfläche. Aber Achtung, so eine Frässcheibe ist kein Spielzeug! Die zwei Trennhälften werden innerhalb der aufgezeichneten Linien ausgehöhlt. Es ist darauf zu achten, dass die Leimflächen nicht verletzt werden. Die Wandstärke belasse ich auf ca. 1 - 2 cm. Das lässt sich gut mit den Fingern prüfen. Am Schluss werden noch raue Stellen und Holzfasern abgeschliffen.
Nun folgt das Zusammenfügen der beiden Hälften in die ursprüngliche Form. Dazu benutze ich Schlauchbriden in verschiedenen Grössen. Es ist ratsam, die Briden vorher bereit zu legen, denn das Verleimen sollte nicht zu lange dauern. Auf beide Teile Holzleim auftragen, diese zusammenfügen und mit den Briden festziehen. Hier muss darauf geachtet werden , dass die Briden nicht zu fest angezogen werden, sonst sieht man deren Abdrücke im Holz. Überschüssigen Leim entfernt man aussen mit einem Lappen. Den Leim in der Innenform verstreiche ich mit einem Lappen, der um einen langen Stab gewickelt ist. Jetzt kann dem Didgeridoo schon der erste Ton entlockt werden. Immer ein spannendes Gefühl!